Linkshändig häkeln oder stricken – was sich wirklich ändert

03.05.2026

"Ich bin Linkshänder:in – kann ich diese Anleitung überhaupt verwenden?"

Diese Frage kommt öfter, als man denkt. 

Und sie ist berechtigt. Denn die meisten Anleitungen, Charts und Tutorials sind stillschweigend für Rechtshänder:innen gemacht.


Die gute Nachricht:
In den meisten Fällen kannst du trotzdem ganz normal arbeiten.

Die weniger offensichtliche:
Es gibt Situationen, in denen sich Dinge tatsächlich verändern – und genau dort entstehen oft Unsicherheiten.

Ganz ehrlich

Dieses Thema ist für mich tatsächlich auch ein Stück weit persönlich.

Mein Sohn ist Linkshänder. Heute, mit 20, spielt das natürlich keine große Rolle mehr. Aber in der Volksschule war das durchaus ein Thema.

Damals habe ich mich intensiver damit beschäftigt – nicht nur im Alltag, sondern auch im kreativen Bereich wie Stricken und Häkeln.

Und genau deshalb weiß ich, wie verunsichernd das am Anfang sein kann. Nicht, weil es besonders kompliziert wäre, sondern weil vieles einfach aus einer rechtshändigen Perspektive erklärt wird.


Linkshändig ist nicht gleich anders 

Viele Linkshänder:innen arbeiten so, wie sie es gelernt haben – und das ist häufig näher an der "klassischen" Technik, als man vermuten würde.

Beim Stricken zum Beispiel wird der Faden oft links geführt (continental), während die Arbeitsrichtung gleich bleibt. In diesem Fall unterscheidet sich das Ergebnis nicht von dem rechtshändiger Stricker:innen. Die Anleitung kann unverändert übernommen werden.

Erst wenn bewusst spiegelverkehrt gearbeitet wird, kommt Bewegung ins Spiel.

Häkeln: Wenn sich die Richtung dreht

Beim Häkeln zeigt sich der Unterschied am deutlichsten. 

Während Rechtshänder:innen von rechts nach links arbeiten, läuft die Bewegung bei Linkshänder:innen in die entgegengesetzte Richtung.

Das hat eine klare Konsequenz:
Das Stück entsteht spiegelverkehrt.

Bei einfachen Mustern fällt das kaum auf. Stäbchen, feste Maschen oder gleichmäßige Strukturen funktionieren unabhängig von der Richtung.

Anders sieht es aus, sobald ein Motiv ins Spiel kommt. 

Schriftzüge, Applikationen oder asymmetrische Muster können sich sichtbar "drehen". Auch bei Filet- oder Mosaic-Arbeiten lohnt es sich, einen Moment genauer hinzusehen.

💡 Technik: Was sich in der Handbewegung ändert

Beim linkshändigen Häkeln wird nicht nur die Arbeitsrichtung gespiegelt – auch die Bewegung selbst fühlt sich anders an.

Die Häkelnadel wird mit der linken Hand geführt, der Faden läuft über die rechte Hand. Bewegungsabläufe, die in vielen Anleitungen gezeigt werden, wirken dadurch umgekehrt, sind aber technisch identisch aufgebaut.

Eine feste Masche bleibt eine feste Masche, ein Stäbchen bleibt ein Stäbchen – entscheidend ist nicht die Richtung, sondern der Ablauf der Bewegung.

Wer sich weniger an der Optik eines Tutorials orientiert, sondern die Technik dahinter versteht, kann sie problemlos übertragen. 😄

Stricken: Der Unterschied liegt im Detail

Beim Stricken ist die Situation weniger eindeutig – und genau deshalb wird sie oft missverstanden.

Viele Linkshänder:innen stricken ganz klassisch, nur mit anderer Fadenführung. In diesem Fall bleibt alles, wie es ist.

Wer hingegen bewusst spiegelverkehrt arbeitet (Mirror Knitting), bewegt sich tatsächlich in die andere Richtung

Und hier beginnen die feinen Unterschiede:

Abnahmen verändern ihre Neigung, Zöpfe verlaufen gespiegelt, und manche Muster entwickeln plötzlich eine andere Dynamik.

Das betrifft nicht jede Anleitung – aber es ist gut, es im Hinterkopf zu haben.

💡 Technik: Fadenführung und Bewegungsablauf

Beim Stricken zeigt sich der Unterschied weniger in der Richtung als in der Handhabung.

Viele Linkshänder:innen arbeiten im sogenannten "continental style", bei dem der Faden in der linken Hand geführt wird. Diese Technik ist effizient und wird auch von vielen Rechtshänder:innen genutzt.

Beim spiegelverkehrten Stricken verändert sich hingegen der Bewegungsablauf deutlich: Maschen werden in umgekehrter Richtung aufgenommen und abgestrickt. Das kann sich vor allem bei komplexeren Techniken bemerkbar machen.

Unabhängig davon gilt: Rechte und linke Maschen bleiben technisch gleich – entscheidend ist ihre Abfolge im Muster.

Charts und Schriften richtig lesen

Ein Bereich, der immer wieder für Unsicherheit sorgt, sind Häkelschriften und Strickcharts.

Beim Häkeln wird meist in Arbeitsrichtung gelesen. Wer spiegelverkehrt arbeitet, erzeugt dadurch automatisch auch ein gespiegeltes Ergebnis. Bei geometrischen Mustern spielt das kaum eine Rolle – bei Motiven dagegen schon.

Strickcharts sind stabiler aufgebaut, da sie Reihen abwechselnd darstellen. Dennoch können sich bei bestimmten Techniken Anpassungen ergeben, vor allem bei richtungsgebundenen Elementen wie Abnahmen oder Zöpfen.

Hier hilft weniger ein pauschales Umdenken als ein kurzer, bewusster Blick auf das Muster.

Wann Anpassungen wirklich nötig sind

Nicht jede linkshändige Arbeitsweise erfordert Änderungen. 

Im Gegenteil: In vielen Fällen läuft alles ganz selbstverständlich.

  • bewusst spiegelverkehrt gearbeitet wird
  • das Muster eine klare Richtung vorgibt
  • Motive oder Schrift enthalten sind
  • bestimmte Techniken wie Abnahmen oder Zöpfe eine Rolle spielen

Fehlt diese Komponente, bleibt die Anleitung meist völlig unproblematisch.


💛 Mein Fazit: 

Linkshändig zu arbeiten verändert nicht alles – aber es kann Details verschieben.

Entscheidend ist weniger die Hand, mit der du arbeitest, sondern die Art, wie du dein Projekt aufbaust. Wer das einmal verstanden hat, kann Anleitungen flexibel nutzen und bei Bedarf gezielt anpassen.

💬 Wenn du unsicher bist, wie du eine Anleitung für dich anpassen kannst, schreib mir gern – ich helfe dir weiter 😊

Und wenn du direkt loslegen möchtest: In meinen Anleitungen findest du klare Strukturen, die sich auch flexibel umsetzen lassen.  💛


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Handarbeiten lebt davon, dass es nicht nur einen Weg gibt.

Und genau darin liegt die Stärke:
Du darfst deinen eigenen finden.

Alles Liebe

Deine Kathrin 🌸

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Eine Initiative von Kathrin Parlatan | stricken-im-trend.com


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