Zeit, die verbindet.
Wolle, ein paar Nadeln – und Menschen, die sich Zeit füreinander nehmen.
Beim gemeinsamen Stricken und Häkeln entstehen nicht nur Maschen. Es entstehen Gespräche, Erinnerungen, kleine Erfolgserlebnisse und Verbindungen, die weit über den gemeinsamen Nachmittag hinausreichen.
Wenn aus Wolle gemeinsame Zeit wird.
Das betreute Wohnen kenne ich nicht nur von einzelnen Veranstaltungen. Durch meine berufliche Tätigkeit in diesem Bereich durfte ich viele Menschen, ihre Geschichten und ihren Alltag kennenlernen.
Dabei habe ich immer wieder erlebt, wie wichtig die kleinen Dinge sein können: ein vertrautes Gesicht, ein Gespräch, etwas, auf das man sich freut – und das Gefühl, selbst noch etwas gestalten und beitragen zu können.
Stricken und Häkeln waren dafür irgendwann ganz selbstverständlich mit am Tisch. Schließlich ist Wolle meine Welt – und für viele der Damen war Handarbeit etwas, das sie schon einen großen Teil ihres Lebens begleitet hatte.
So wurden aus gemeinsamen Handarbeitsnachmittagen kleine Fixpunkte im Alltag. Nicht das fertige Stück stand im Mittelpunkt, sondern das gemeinsame Tun.
„Das habe ich früher auch gemacht.“
Manche kamen mit einem eigenen Strick- oder Häkelprojekt dazu. Andere nahmen nach langer Zeit wieder eine Nadel in die Hand. Und manchmal dauerte es nur wenige Minuten, bis Bewegungen zurückkamen, die längst vergessen geglaubt waren.
Dann wurde ausprobiert, nachgefragt und gegenseitig geholfen. Eine erinnerte sich an eine bestimmte Masche, eine andere zeigte einen Handgriff. Wissen, das über viele Jahre ganz selbstverständlich gewesen war, bekam plötzlich wieder Raum.
Einige nahmen ihre Projekte anschließend mit und arbeiteten in ihrer Freizeit weiter. Beim nächsten Treffen wurde dann nicht selten mit ein wenig Stolz gezeigt, was seit dem letzten Mal entstanden war.
Und während gezählt, aufgetrennt, neu begonnen und weitergemacht wurde, passierte ganz nebenbei das vielleicht Wichtigste: Wir haben miteinander geredet.
Was Hände manchmal in Bewegung bringen.
Stricken und Häkeln beschäftigen die Hände. Aber oft erreichen sie noch viel mehr.
Masche für Masche bleiben Finger und Hände in Bewegung. Feinmotorik und Hand-Auge-Koordination werden gefordert, gleichzeitig braucht es Konzentration, Aufmerksamkeit und ein wenig Geduld.
Besonders berührt hat mich immer wieder, wie vertraute Bewegungsabläufe zurückkamen. Eine Masche, ein Griff, die Art, den Faden zu halten – manches war plötzlich wieder da. Und mit den Handgriffen kamen nicht selten auch Erinnerungen: an frühere Projekte, an Menschen, für die gestrickt wurde, oder an eine Zeit, in der Handarbeit ganz selbstverständlich zum Alltag gehörte.
Gleichzeitig entsteht beim gemeinsamen Stricken und Häkeln etwas, das sich nur schwer planen lässt: Nähe. Während die Hände beschäftigt sind, wird erzählt, gelacht, zugehört und manchmal auch etwas ausgesprochen, das gerade belastet.
In diesen Gesprächen durfte ich oft einfach zuhören, Mut machen oder dabei helfen, Gedanken ein wenig zu sortieren. Nicht jedes Problem braucht sofort eine Lösung. Manchmal tut es schon gut, mit etwas nicht allein zu sein.
Granny Love Baden.
Eine Decke, viele Hände – und irgendwann auch ein kleiner sportlicher Ehrgeiz unter den HäkelQueens.
Für eines unserer gemeinsamen Projekte entstand die Idee, aus vielen einzelnen Granny Squares eine große Decke zu häkeln. Niemand musste dafür eine ganze Decke schaffen. Jede konnte genau so viel beitragen, wie sie wollte und konnte.
Und genau darin lag der Reiz. Ein Granny war überschaubar, das nächste schnell begonnen – und plötzlich lagen beim nächsten Treffen nicht nur ein oder zwei neue Quadrate auf dem Tisch.
Es entwickelte sich sogar eine kleine Challenge: Wer hatte seit dem letzten Treffen wie viele Grannys geschafft? Einige häkelten zuhause weiter und kamen beim nächsten Mal mit einem ganzen Stapel zurück. Natürlich wurde verglichen, gelacht und ein bisschen gegenseitig angespornt.
Aus vielen kleinen Einzelteilen entstand schließlich etwas, das keine von uns allein gemacht hatte. Jede konnte auf die fertige Decke schauen und sagen: Da steckt auch ein Stück von mir drin.
Möchtest du unser Granny nachhäkeln?
Für die HäkelQueens habe ich eine eigene kleine Anleitung zusammengestellt. Sie erklärt das Granny Runde für Runde und enthält zusätzlich die wichtigsten verwendeten Häkelmaschen. Genau diese Anleitung kannst du hier kostenlos herunterladen – für dein eigenes Projekt oder vielleicht für ein Gemeinschaftsprojekt mit anderen.
gemeinsam entsteht etwas Großes.“
Gebraucht werden kennt kein Alter.
Es macht einen Unterschied, ob man einfach etwas macht – oder weiß, dass das, was unter den eigenen Händen entsteht, später jemand anderem Freude bereiten wird.
Maschen, die weitergegeben werden.
Viele der Stücke, die bei unseren gemeinsamen Strick- und Häkelrunden entstanden, wurden anschließend gespendet. Damit bekam das gemeinsame Handarbeiten noch einmal eine ganz andere Bedeutung.
Es ging nicht darum, wer besonders schnell war oder besonders viel schaffte. Eine Reihe, ein Granny, ein kleines Stück – jede konnte etwas beitragen. Manche arbeiteten nur während unserer gemeinsamen Treffen daran, andere nahmen ihre Projekte mit nach Hause und machten dort weiter.
Am Ende war nicht entscheidend, von wem welche Masche stammte. Aus vielen kleinen Beiträgen entstand etwas Gemeinsames – und etwas, das anschließend weitergegeben werden konnte.
Wenn aus einem Nachmittag ein Fixpunkt wird.
Die gemeinsamen Strick- und Häkelrunden waren Teil meiner Arbeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern bei SilberZeit.
Was als gemeinsames Handarbeiten beginnt, bekommt schnell seinen eigenen Rhythmus. Man kennt die Projekte der anderen, fragt nach, wie weit jemand gekommen ist, hilft bei einer schwierigen Stelle – und freut sich auf das nächste Wiedersehen.
Genau diese Verlässlichkeit macht solche Treffen für mich so besonders. Nicht jeder Nachmittag muss ein großes Programm bieten. Manchmal reichen Wolle, Nadeln, ein Tisch und Menschen, die gerne wiederkommen.
Mehr über SilberZeit →Zeit statt Zeug.
Man braucht keine große Aktion, um etwas in Bewegung zu bringen. Manchmal beginnt es mit einem Knäuel Wolle, ein paar Nadeln und der Entscheidung, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen.
Vielleicht beginnt die nächste Runde bei dir.
Vielleicht gibt es in deiner Nähe ein Seniorenwohnhaus, eine soziale Einrichtung, einen Verein oder einfach ein paar Menschen, die sich über gemeinsame Zeit freuen würden. Stricken und Häkeln können ein wunderbarer Anlass sein, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam etwas entstehen zu lassen.
Es muss dabei weder perfekt organisiert sein noch braucht es ein großes Projekt. Jede Reihe zählt, jede Masche kann ein Anfang sein – und manchmal entwickelt sich aus einer kleinen Idee viel mehr, als man vorher erwartet hätte.
Ein Jahr in Maschen.
Vielleicht möchtest du nicht nur einen Nachmittag gestalten, sondern ein Projekt beginnen, das eine Gruppe über längere Zeit begleitet.
Unsere Temperatur- und Stimmungsdecke war genau so ein Projekt. Woche für Woche kamen neue Reihen hinzu. Temperaturen, Stimmungen und kleine Momente wurden zu Farben – und die Decke nach und nach zu einer gemeinsamen Farbgeschichte.
Maschenmomente werden zur Farbgeschichte.
Handout kostenlos herunterladen →Kostenloses PDF · öffnet sich in einem neuen Fenster
Denn am Ende geht es nicht darum, wie viele Maschen wir schaffen. Sondern darum, was wir mit unserer Zeit daraus machen.
